Skive – Mobiles Employer Branding mit Extremtargeting

Erinnern Sie sich noch an die ersten Guerillia Marketing Aktionen im Hochschulmarketing? Zugegeben, das ist schon so lange her, dass auch ich mich nur noch dunkel erinnere und viele meiner Leser wollten damals sicher noch Lokomotivführer oder Prinzessin werden. In dieser grauen Vorzeit waren es, soweit ich mich erinnere, die großen Unternehmensberatungen und Steuerkanzleien, die in den Bibliotheken der anvisierten Fachbereiche Lesezeichen in die Standardliteratur steckten. Die Idee war einfach: Diese Bücher mußten alle Studierenden eines Fachs lesen und konnten damit den Werbebotschaften der Unternehmen nicht entgehen. Ein erster Schritt, um als Arbeitnehmer bei der Zielgruppe wahrgenommen zu werden, war getan. Abgesehen davon, dass Fachbereichs- und Universitätsbibliotheken dem Treiben schnell einen Riegel vorschoben, (sie waren wenig begeistert von den zahlreichen Pappstreifen, die bald auf Lesetischen, Fußböden und Regalen herumlagen), würde so eine Aktion heute wohl nicht mehr funktionieren. Längst lernen Studierende mit digitalen Medien, das gedruckte Buch ist für Studierende ein Auslaufmodell. (Zum Beispiel hat die Hochschule Hamm-Lippstadt seit der Gründung ihrer Universitätsbibliothek weitaus mehr Ebooks als gedruckte Bücher angeschafft.)

Jonas Hoffmann

Jonas Hoffman, Co Founder von Skive

Dass Unternehmen ihre Employer Brand Botschaften und Arbeitsangebote trotzdem noch in den Lernprozeß bei Studierenden „einschmuggeln“ können, dafür will Jonas Hoffmann mit Skive sorgen. Seine Plattform soll Studierenden helfen, fokussiert zu lernen und Unternehmen ein Targeting bis auf die Ebene einzelner Seminare an definierten Hochschulen ermöglichen.

Für Talent-o-mat habe ich Jonas Hoffmann interviewed: 

Was ist Skive & wie funktioniert es?
Jonas Hoffmann: Skive ist eine digitale Lernplattform für Studierende, auf der Sie Lernmaterialien bereit gestellt bekommen, die genau auf Ihre Universitäten und Kurse/Seminare zugeschnitten sind. Dabei können Studierende auf Übungsfragen (z.B. Multiple-Choice Fragen) und Karteikarten zugreifen und diese auf Laptop, Tablet und Smartphone jederzeit lernen.
Mit der neuen Online Plattform goskive.com bieten wir Studierenden zusätzlich die Möglichkeit, ihre Lernmaterialien zu digitalisieren, mit ihren Kommilitonen zu teilen und kollaborativ daran zu arbeiten. Wir sind & bleiben für alle Studierenden kostenlos und verfolgen dabei das Ziel, Studium und Karriere zu verbinden. 

Wie sind Sie darauf gekommen?
Jonas Hoffmann: Die Idee kam uns schon im 3. Semester während unseres Studiums an der LMU in München. Enttäuscht von den angebotenen Möglichkeiten der Klausurvorbereitung – angebotene Repetitorien waren unverhältnismäßig teuer, vorhandene Materialien nicht wirklich brauchbar und zudem auch weder gut auffindbar noch schön aufbereitet – entschieden wir uns, eigene Übungsfragen zu erstellen und nach den bestandenen Klausuren mit unseren Kommilitonen zu teilen.
Unser erster Ansatz war ein Buch – mit zeitgemäß & digital hatte das aber nicht viel zu tun. Dann kamen wir auf die Idee, dass eine App sich für die Lernformate optimal eignet. So wurde nach ersten kleineren Erfolgen aus dem Uniprojekt in zahlreichen Nachtschichten neben dem Studium ein wirkliches Unternehmen.

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Die Homepage von Skive

Welches Angebot machen Sie Unternehmen?
Jonas Hoffmann: Wir geben Unternehmen einen Kanal zur Hand, über den sie maßgeschneidert ihre Zielgruppe ansprechen können. Die Ansprache erfolgt über mobil-optimierte Unternehmensprofile. Jedes dieser Profile wird individuell nach Universität, Fachbereich und Semester ausgespielt und erreicht damit nur Studierende, die unsere Partner auch wirklich erreichen möchten.
Darauf aufbauend lassen sich Studierende nach ihrer Aktivität auf der Plattform sowie gewählten Vertiefungen im Studium filtern. Konkret ermöglicht dies z.B. gezielt auf die aktivsten Studierenden der Finance Master Vertiefung an der Ludwig-Maximilians Universität zuzugehen.
Auf dem Wege wollen wir erreichen, dass die Nutzer nur mit wirklich relevanten Partnern bzw. offenen Stellenangeboten oder spannenden Events zusammen kommen. Mit dem Anspruch, modernes Design mit einer innovativen Plattform zu verbinden, wollen wir eine optimale Erfahrung für unsere Nutzer ermöglichen und damit ein positives Setting für die Platzierung als Arbeitgeber schaffen.
Dabei wird die Reichweite der Kampagne immer durch die gemeinsam aufgesetzte Zielgruppendefinition bestimmt – beispielsweise können zwölf Universitäten im Basis-Paket für 4.200€ angegangen werden. Im Rahmen einer Awareness-Kampagne im Grundstudium erreichen wir auf dem Wege etwa 2.500 Studierende direkt aus der Zielgruppe. Wenn der Fokus der Kampagne auf Studierende kurz vor dem Masterabschluss gerichtet ist, liegt die Reichweite dieser Kampagne bei etwa 600 Studierenden – eine individuelle Definition der Zielgruppe für jeden unserer Partner ist für uns dabei selbstverständlich.

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Employer Branding auf Skive – zum Vergrößern anklicken

Wie viele Nutzer haben sie schon gewonnen?
Jonas Hoffmann: Ca. 150.000 Studierende vor allem aus den Fachbereichen Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurswesen und Jura. Diese verteilen sich sehr variabel über das Jahr hinweg. In den Hochphasen tracken wir bis zu 35.000 monatliche Nutzer.

Wie viele Kurse / Hochschulen gibt es bereits?
Jonas Hoffmann: Aktuell bieten wir Lerninhalte an etwa 150 Universitäten, in über 10 Ländern mit über 2.000 Kursen an.

Gibt es auch eine Usercommunity, in der Studierende anhand ihrer persönlichen Daten, ihres Lebenslaufes oder ihrer Leistung individuell angesprochen werden können?
Jonas Hoffmann: Eine Usercommunity entwickelt sich im Moment – mit dem Launch unserer Webapp haben wir eingeführt, dass jeder Nutzer einen Account anlegen muss. In einem nächsten Schritt gilt es, die Nutzerdaten weiter anzureichern. Zu allererst hilft uns das, den Studierenden eine deutlich positivere Nutzererfahrung zu ermöglichen – Statistiken, Lernfortschrittstracking und ausgefeilte Belohnungssysteme sollen helfen, die Nutzer zu binden und weiteren Mehrwert gegenüber traditionellen Wegen der Klausurvorbereitung zu bieten.
Weiterführend wollen wir dies natürlich auch nutzen, um eine immer individualisiertere Ansprache von Nutzern zu ermöglichen. Dahin gehend werden wir die Nutzerdaten verwenden, um die Ansprache weiter zu personalisieren und gezielten Zugriff auf z.B. die besten Nutzer eines Fachbereichs – zusätzlich zu dem bereits vorgestellten Targeting – zu ermöglichen.

Warum glauben Sie, wird Skive ein Erfolg werden?
Jonas Hoffmann: Wir haben das Produkt damals sozusagen für uns selbst gebaut, nicht für einen Kunden oder einen Markt – wir wollten damit ein omnipräsentes Problem lösen, das uns selbst, sowie viele unserer Kommilitonen & Freunde, im Alltag – ganz salopp gesagt – wahnsinnig genervt hat. Diese Mission treibt uns bis heute an und gibt uns ein starkes Vertrauen in unser Produkt. Außerdem sehen wir in dem spannenden Themenfeld Bildung in der Digitalisierung von Lernmaterialien der besten Universitäten noch sehr viel Potenzial.
Gerade deshalb wollen wir den Austausch unter den Studierenden und das Teilen von Inhalten erleichtern und neue Wege der Aufbereitung von Lerninhalten ermöglichen.

Wie zufrieden sind die User?
Jonas Hoffmann: Seit dem Launch unserer App vor über drei Jahren erhalten wir stetig sehr gute App-Store Ratings mit vier bis fünf von fünf möglichen Sternen. Bestätigt wird dies auch durch die hohe Zahl an wiederkehrenden Nutzern (über 80% Wiederkehrrate). Außerdem stehen wir immer im Austausch mit unseren Nutzern, um unser Produkt weiterhin bestmöglich an die studentischen Bedürfnisse anzupassen.

Wie sichern Sie die Qualität? Auch bei den selbst durch die User angelegten Kursen.
Jonas Hoffmann: Um sicherzustellen, dass nur Lernmaterialien von hoher Qualität auf unserer Plattform verfügbar sind, haben wir ein auf der Community basierendes Up-/ Downvote System (Daumen hoch & Daumen runter) eingeführt, welches auf jeder Lerneinheit zu finden ist. Wenn eine Karteikarte / Frage negativ bewertet wird, können die Studierenden jederzeit auch ein kommentiertes Feedback an den Autor schicken. Außerdem werden alle neu erstellten, öffentlichen Lernmaterialien automatisch als unbewertet markiert, bis sie eine ausreichende Anzahl an positiven Bewertungen erhalten haben. Wenn die Studierenden nur mit eigens erstellten oder bereits bewerteten Lerninhalten lernen möchten, können Sie hier einfach und schnell alle anderen Lerneinheiten herausfiltern. Im Grunde arbeiten wir, ähnlich wie man es von Wikipedia kennt, aufbauend auf einer starken Community kollaborativ an der Qualität der Inhalte.

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Skive in der Lernansicht – zum Vergrößern anklicken!

Wird Skive für Studierende kostenlos bleiben?
Jonas Hoffmann: Ja! Dafür gibt es zwei Gründe – erstens ermöglicht uns die Zusammenarbeit mit unseren Partnerunternehmen aus einer Business Perspektive, dieses Modell aufrecht zu erhalten. Zweitens – und das ist Kern unserer Philosophie – ist Bildung ein Allgemeingut und sollte für jede Person kostenlos verfügbar sein.

Was ist für die Zukunft geplant?
Jonas Hoffmann: Aktuell feilen wir insbesondere an der Verbesserung der Lernerfahrung für alle Studierende. Unsere Plattform soll das Erstellen von und das Lernen mit Übungsmaterialien einfach und intuitiv machen. Dazu gehört für uns, neben der einfachen Handhabung der Plattform, auch der Aufbau einer Community – konkret heißt das, dass wir weiter daran arbeiten, Studenten lokal über unsere Plattform für die Vorbereitung von Klausuren zusammen zu bringen. Das wollen wir über ausgefeilte Statistiken, Belohnungssysteme & weitere Produktfeatures zukünftig weiter fokussieren.
Für unsere Partnerunternehmen steht für uns, neben der stetigen Verbesserung der Aussteuerung von Kampagnen, im Vordergrund, auch das direkte Rekrutieren über unsere Plattform zu ermöglichen – sowohl für mobil als auch für Web arbeiten wir hier an einer Lösung.
Dazwischen liegt noch ein großes Thema, welches für uns eine im Zusammenhang der Partnereinbindung hohe Priorität hat – denn als große Herausforderung haben wir auch erkannt, dass die Ansprache von IT-Studierenden für Unternehmenspartner von höchstem Interesse ist. Daher arbeiten wir auch daran, ein Konzept für Informatiker zu etablieren, das auf deren Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Was sind ihre größten Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg?
Jonas Hoffmann: Unsere größten Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg sehen wir zur Zeit in der Internationalisierung des Produkts. Im deutschen Markt konnten wir bereits nachhaltig Fuß fassen. Spannend bleibt es, inwieweit auch andere Märkte positiv auf unser Produkt reagieren.
Mit einem Team von 18 motivierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen stehen wir dem zuversichtlich, mit einer klaren Vision gegenüber und arbeiten leidenschaftlich daran, die Digitalisierung studentischer Lerninhalte immer weiter voran zu treiben.

2015-12-10 skive team_web

Das Team von Skive

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit Skive. Ich werde ein Auge darauf haben. Und Sie liebe Leser? Was denken Sie über Skive? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

UPDATE: Per mail teilte Skive mir und allen usern mit, dass der Betrieb der webseite und die Geschäftstätigkeit zum 25.6.2017 eingestellt wurde.

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