HR Barcamp Berlin 2016 – Hut ab vor fünf Jahren Barcamp.

HR Barcamp 2016

Letzte Woche war es wieder soweit. Jannis Tsalikis und Christoph Athanas hatten zum inzwischen 5. HR Barcamp nach Berlin eingeladen. Ich hatte wieder Glück und eine Karte ergattert. Denn auch diesmal waren die ca. 200 Karten binnen weniger Minuten ausverkauft. Allein der phänomenale Run auf die limitierten Teilnehmerplätze unterstreicht die Bedeutung, aber auch die Klasse dieses aus meiner Sicht wichtigstem und schönsten HR Event des ganzen Jahres. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Familientreffen der innovativen HR Szene

Es war wie in den Jahren zuvor das gewohnte und gewünschte „Familientreffen“ der innovativen HR Szene. Diejenigen, die schon in den Tagen zuvor dem Hashtag #hrbc16 auf Twitter folgten, hatten die Gelegenheit, auch vom Warmup am Vorabend zu erfahren, zu dem Dirk Steinmetz freundlicherweise eingeladen hatte. Und so ging es auch für mich in diesem Jahr schon am Mittwochabend mit dem „meet and greet“ alter und neuer Bekannter los. Ein schöner Auftakt.

Am bewährten Veranstaltungsort, dem Ellington Hotel in Berlin startete das Jubiläums HR Barcamp in gewohnter Weise, und doch gab es einige Änderungen bzw. Verbesserungen. So konnten zum Beispiel dank zusätzlicher Räume noch mehr Sessions gleichzeitig stattfinden. Beim gemeinsamen Auftakt mit allen Teilnehmern wurden ca. 50 Sessionvorschläge eingereicht, 39 schafften es auf den Sessionplan. Aus meiner Sicht waren es erfreulich viele Themen, die sich nicht hauptsächlich mit Personalmarketing und Recruiting beschäftigten. Auch Themen wie „Automatisierung in HR“, „Können wir Organisationen neu erfinden?“, „Zielvereinbarungen in dynamischen Geschäftsmodellen“, „Wissensmanagement gut umsetzen “ oder „HR gegen rechts“ standen zur Diskussion. Einen leichten Schwerpunkt nahmen die Themen „Big Data“ und „Active sourcing“ ein, zu denen gleich mehrere Sessions aus unterschiedlichen Perspektiven angeboten wurden.

Als weitere Neuerung gab es am zweiten Tag einen Recall, bei dem die beliebtesten Sessions des ersten Tages gewählt und ein weiteres Mal angeboten wurden. Wer also am Vortag eine besonders gelungene Session verpasst hatte, bekam so eine zweite Chance.

Von HR Automatisierung bis „HR gegen rechts“

Aus den Sessions die ich besucht habe, konnte ich wieder einige interessante Anregungen mitnehmen. So etwa, dass sich ein Startup mit 300 Mitarbeitern und einer zwölfköpfigen Personalabteilung bereits Gedanken über Automatisierung von Standardprozessen in HR macht, um mehr Zeit für inhaltliche Arbeit an den Themen der Personalarbeit zu gewinnen. Eine spannende Diskussion erlebte ich zum Thema „Unternehmer im Unternehmen“ . Nicht nur ich bin der Meinung, dass das oft geforderte Unternehmertum im Unternehmen sich wesentlich vom klassischen Unternehmertum als Selbständiger unterscheidet. Schon das Risiko mit dem eigenen Kapital zu wirtschaften und für Misserfolge mit dem vollen persönlichen Risiko einzustehen, unterscheidet den selbständigen Unternehmer vom angestellten Manager. Ergebnis der Diskussion war die Feststellung, dass der Unternehmer im Unternehmen sich in einem engeren, aber sichereren Rahmen bewegt, als der Selbständige. Das Wort „Rahmenunternehmer“ war geboren.

In einer lehrreichen Session erklärte Raoul Fischer die Grundlagen des Storytellings und in den anspruchsvollen Diskussionen zum Thema  Big Data, Algorithmen und Active Sourcing erlebte ich beeindruckende Demonstrationen dazu, was allein die Auswertung personenbezogener, öffentlicher Daten aus dem Internet über potenzielle Mitarbeiter aussagen kann. So ist es nicht nur möglich, bestimmte Talente gezielt zu identifizieren, sondern es gibt auch zahlreiche Werkzeuge, die anhand bestimmter Verhaltensweisen im Internet Prognosen über die Wechselwahrscheinlichkeit von Arbeitnehmern erstellen oder Tipps zur idealen Ansprache von Kandidaten geben, die auf der Analyse des Kommunikationsverhaltens beruhen. Viele dieser Tools stecken noch in den Kinderschuhen und verlassen sollte man sich darauf sicher nicht, doch die Ergebnisse sind überwiegend beeindruckend – oder auch gruselig. Ganz nach eigenem Empfinden. Unterhaltsam war die Session zum Personalmarketing mit Instagram, das bei der jungen Zielgruppe so beliebt ist, dass es tatsächlich zur Bekanntheitssteigerung eines Arbeitgebers eingesetzt werden kann. Ernst und sachlich erlebte ich die Session zu „HR gegen rechts“. Allein, dass dieses Thema auf der Agenda stand, stimmt mich nachdenklich. Und viele der Teilnehmer konnten eigene Erfahrungen beisteuern. Soll man als Unternehmen frühzeitig Position zur Flüchtlingsthematik beziehen? Muss man auf rassistische Kommentare von Mitarbeitern im Netz reagieren? Wie verhält man sich, wenn offensichtlich oder vermeintlich rechtsradikalen Mitarbeitern von Ihren Kollegen Gewalt angedroht wird? Und wie geht man mit der Situation um, wenn der eigene Chef oder Firmeninhaber extreme politische Positionen vertritt? Fragen auf die es keine allgemeingültigen Antworten gibt, aber Fragen die unbedingt diskutiert werden sollten. Ich befürchte, dieses Thema wird uns noch eine Weile beschäftigen. Gut, dass die Debatte hier begonnen hat.

Soziales Event mit liebgewonnenen Ritualen

Neben vielen interessanten Themen war mein viertes HR Barcamp für mich auch wieder ein soziales Event. Auf dem HR Barcamp trifft sich eine aktive, aufgeschlossene Community, die aus meiner Sicht immer größer und bunter wird. „Alte Hasen“ tauschen Erinnerungen aus und sind zugleich sehr offen für jeden Neuling der dazustösst. Die liebgewonnenen Rituale wie der Absacker nach der offiziellen HR Barcamp-Party oder die abschließende „Sofarunde“ nach dem Ende des Barcamps werden zelebriert. So soll Netzwerken sein, so soll es sich anfühlen.

Und damit bleibt nicht mehr, als den Initiatioren Christoph Athanas und Jannis Tsalikis erneut zu danken, dass sie dieses Event möglich machen. Ich ziehe meinen Hut!

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